RIAS BERLIN (2)        

 

 

...und so ging´s dann weiter:

Die provisorischen Studios in der Winterfeldtstrasse reichten bald nicht mehr aus.  Der RIAS zog um in die Kufsteiner Strasse 69, immer noch Schöneberg. Hier, in einem vom Krieg fast unbeschädigt gebliebenen Gebäude der Bayerischen Stickstoffwerke im Verbund der I.G. Farben sollten nun täglich 22 Stunden gesendet werden. Umfangreiche Umbauten waren notwendig - von Studios in schwimmender Bauweise über Transformatoren und Leitungen bis hin zu Post-, Studio- und allgemeinen Leitungen, und das alles noch während der Blockade Berlins durch die Sowjets.               

6. Juli 1948: Das RIAS Funkhaus wird eingeweiht.

Von der Kufsteiner Strasse aus zog der RIAS auch in die Herzen der Berliner und in die der Ostzonenbevölkerung ein. Man erkannte schnell, daß hier endlich Rundfunk gemacht wurde, frei von jeglicher Zensur.

 

Radio hatte für mich schon immer etwas faszinierendes. Als Kind hatte ich einen Detektorempfänger (mein Vater hat nie begriffen, wie so ein Radio ohne Strom überhaupt funktionierte), und ich habe oft noch im Bett RIAS gehört. Hörspiele und Musik am liebsten.

 

Und der RIAS hatte ja auch sonst viel zu bieten! Zum Beispiel das Sonntagsvergnügen für alle Kinder: DER ONKEL TOBIAS VOM RIAS. Die RIAS-Kinder und Fritz Genschow, Piscator-Schauspieler und Regisseur, waren Sonntag für Sonntag ein MUSS!

Dieses Team mit Tante Erika und dem Dackel Lampe, mit Friderike, der Gitarre von Onkel Tobias, ließ wirklich keine Langeweile aufkommen. Richtig spannend wurde es, wenn´s Kasperle-Theater gab und der Räuber Jaromir, das Gretele-Trompetele und all die anderen Figuren die Kinderherzen höher schlagen ließen. Onkel Tobias vom RIAS - ein Markenzeichen!

 

Genau wie Günter Neumann und seine Insulaner. Ein Funkkabarett - ursprünglich nur einmal während der Blockade zu Weihnachten 1948 geplant - entwickelte sich schnell zu einem Dauerbrenner, ja sogar zu einem Straßenfeger. Ilse Trautschold, Agnes Windeck, Edith Schollwer, Joe Furtner, Ewald Wenck, Walter Gross und Bruno Fritz wurden zu Inbegriffen des politischen Kabaretts.

Unvergessen: die Klatschtanten am Kurfürstendamm - immer eingeleitet mit dem Satz: "Nein, meine Liebe, daß ich Sie hier treffe, und mitten auf dem Kurfürstendamm." Antwort: "Nicht wahr, so ein Zufall..."

Oder der Genosse Funzionär - "...und damit, liebe Jenossen und Jenossinnen, komme ick nunmehr zu unsern heutijen Themata: nämlich...." 

Oder Herr Kummer: "Hallo, hier Kummer - Kummer is hier! Wer is´da? - Ach, Sie sind dit, Pollowetzer. Nee, Sie stören janich...."

Kabarett damals von höchster Aktualität - oft wurden von Günter Neumann noch aktuelle Texte direkt vor der Veranstaltung eingefügt, die dann vom Blatt abgelesen wurden. Übrigens: die Insulaner gibt´s heute noch - auf 8 CDs - die Jahre 1948-1964 - bei BEAR FAMILY RECORDS (BCD 16005 HD).

Das RIAS Funkhaus

Günter Neumann und seine Insulaner

Friedrich Luft

Mr. RIAS - Jürgen Graf