RIAS BERLIN (4)

 

Die Auflistung aller Sendungen des RIAS würde mit Sicherheit zu weit führen - ich verweise schon jetzt auf interessante Bücher auf der Seite RIAS Literatur hin, und hier besonders auf das Werk von Herbert Kundler, dem jahrelangen Programmdirektor im Funkhaus an der berühmten Adresse: Kufsteiner Strasse 69.

Unbedingt aber will ich auf weitere Markenzeichen dieses Senders hinweisen:

Die RIAS Music-Box mit Felix Knemöller, Beate Hasenau und Erwin Palm. Erwin war eigentlich der Leiter des Schallarchivs. Ein betagter Herr, den nichts aus der Ruhe bringen konnte. Sein kleiner S-Fehler machte ihn ausgesprochen liebenswert. Eine schöne Geschichte am Rande: Peter Thiele, Tonmeister, speziell für das RIAS-Tanzorchester, reiste mal zu Freunden nach San Franzisco. Fernab des Tourismus in der Millionenstadt traf man sich in einer urigen Kneipe in der Hafengegend. Plötzlich öffnete sich die Tür und Erwin Palm trat ein. Das Erstaunen wandelte sich in brüllendes Gelächter, als Erwin höchst erstaunt guckte und mit nöliger Stimme sprach: "Mensch, wie weit muss ick denn noch reisen, bis ick keeenen mehr vom RIAS treffe". Erwin Palm wurde von Kne, wie wir ihn nur nannten, nahezu vergewaltigt, in der Music-Box mitzuwirken.

Oder Ewalds Schlagerparade für die reifere Jugend mit dem unvergleichlichen Ewald Wenck (1891 - 1981). Ewald war wirklich der älteste Disc-Jockey der Welt. Die Idee zu dieser Sendung kam von Hans Rosenthal. Der Jugendwahn griff ja auch in den Endsechzigern auf den RIAS über - ich als Betroffener weiß, wovon ich rede...Gestandene Programmsprecher wurden durch Disc-Jockeys ersetzt. Den Slang der Jugend sollte Ewald zurück in die Jahrhundertwende projizieren. Das tat er vorzüglich und in unzähligen Folgen seiner Schlagerparade. Die Sätze: ...und dit eeene Team bin icke - und dit andere Team bin oooch icke und sein unverwechselbares OPI DOPI (kleine Anspielung auf Lord Knud´s Ocki Docki) waren Markenzeichen.

Oder Friedrich Luft - Die Stimme der Kritik. 45 Jahre lang war er für alle der Kritiker überhaupt am Sonntag. Mit den Worten: Luft ist mein Name, Friedrich Luft. Ich bin 1,86 groß, dunkelblond, wiege 122 Pfunk, bin 1911 geboren und beziehe die Lebensmittelkarte der Stufe 2... begann er seine erste Sendung und mit ...gleiche Stelle, gleiche Welle endete sie stets nach 15 Minuten exakt.

Natürlich darf ein Name in der RIAS-Chronik nicht fehlen: John Hendrik. Klingendes Amerika - Heute so beliebt wie damals - Opernstammtisch und vor allem die Sendungen 2. Frühstück mit John Hendrik und der legendäre Club 18 - Jazz für Alle waren widerum Meilensteine der Rundfunkgeschichte. 1957 sollte der Club 18 aus der Taufe gehoben werden, und John war von Programmdirektor Kundler als fachkundiger Moderator der Favorit. Aus dem Jazz für junge Menschen wurde später Jazz für Alle - und ALLE kamen auch stets zu den Club-Treffen ins Rathaus Friedenau - immer liebevoll bemuttert von Lotte Hendrik. Es waren wirklich ALLE! In 25 Jahren zählte man über 200 000 Jazzfreunde aus Ost und West. Berliner Jazzbands und internationale Jazzstars bat Big John vor die Mikrofone: Papa Hentschel, Papa Ko, Sir Gusche - Errol Garner, Count Basie, Lionel Hampton und Duke Ellington - nur einige Namen aus der Club-Geschichte.

 

Die Stimmen im RIAS: maßgeblich die Stimmen der Nachrichtensprecher und Programmsprecher...zum Teil ja längst verklungen...denken wir zum Beispiel an Gerhard Heydebreck - ein Bär von einem Mann - und ebenso klang seine Stimme. Nachrichten zelebrierte er.

Oder Heinz Petruo - wenn er DDR aussprach, meinte man, die Anführungszeichen in der Stimme mitzuhören.

Rudolf Günther Wagner und Eberhard Matusch muß man in dieser Aufzählung nennen; eben so wie Wolfgang Behrendt, Karlheinz Wunder, Peter Schulz, Jürgen Schiller, Andreas Berg, Götz Clarén, Jürgen Knopf und Horst Wendt.

Die Damenriege: Sabine Schmölling-Strucksberg, Ricarda Müller-Riebensamen, Elizabeth Pahl, Pepi Vogel, und Regina Pfeiffer. Regina auch unvergessen zusammen mit Otto Reimer und dem Dauerbrenner: Musik kennt keine Grenze - Der Sendung mit den musikalischen Hörergrüssen nach drüben - Spitzenreiter immer und immer wieder: Der Gefangenen-Chor aus Nabucco.....

EXTRA zur "Damenriege": Karin Jurow - was für eine Stimme!!! Wenn Karin Jurow Jazzsendungen moderierte konnte man den Jazz buchstäblich fühlen...

Ja, und: Christine Rackuff, sie war schon zu Jugendfunk-Zeiten (RIAS-Treffpunkt bzw. Treffpunkt 16:40) mein "Lieblingsmädel". Wir zwei haben uns außerordentlich gut verstanden; sie ging dann zur "Aktuellen" - ich blieb noch ´ne Weile beim Treffpunnkt. Wirklich mit eine der "angenehmsten" Damenstimmen im RIAS.

 

Über vieles könnte man noch berichten - Namen hinzufügen, Sendetitel ergänzen, Ereignisse kommentieren....eines aber bleibt: RIAS ist und bleibt in den Köpfen der Menschen ein Symbol. Für die Freiheit und für eine Rundfunkära, die es so heute nicht mehr gibt. Ich schreibe diese Zeilen mit Herzblut, etwas Wehmut aber auch mit Stolz. Stolz, daß ich fast 30 Jahre für diesen Sender arbeiten durfte. Stolz, daß ich mit Kollegen zusammenkam, die halfen, von denen man lernen konnte und mit denen man noch richtigen Rundfunk machen konnte.....

 

Nero Brandenburg

 

STOP: Eines noch zum Schluß!!! RIAS lebt weiter!!!  ...in den Herzen ...in den Köpfen ...in der Erinnerung!!!

Peter Hammer hat viel Schönes, sogar zum Nachhören, aus alten Zeiten vom RIAS auf seinen Seiten "Oldies Top Ten" veröffentlicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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